ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 22-23

ARCH+ 204

Der Stoff des Sozialen – Jenseits von Krise und Repräsentation

Von Delitz, Heike

Allzu oft werden, wenn von der Relation zwischen Architektur einerseits und Sozialem andererseits die Rede ist, die Begriffe des ›Spiegels‹, des ›Anzeigers‹, ›Ausdrucks‹, des ›Symbols‹ oder auch der ›Repräsentation‹ benutzt: Die Architektur ist dann Spiegel, Anzeiger, Symbol, Repräsentation der in Frage stehenden Gesellschaft. So naheliegend dies ist, zwingen diese (gegeneinander als austauschbar benutzten) Begriffe doch zu einer spezifischen Denkweise, die soziologisch oder gesellschaftstheoretisch gesehen weder der Architektur, noch auch der Gesellschaft gerecht wird. Sie implizieren nämlich, dass die Architektur dem Sozialen stets nachgeordnet ist und machen so aus der Architektur die bloße Kopie des bereits als bestehend gedachten Sozialen. Als Spiegel, Ausdruck oder Symbol einer Gesellschaft wird dem Gebauten also eine grundlegend passive Rolle zugeteilt, nämlich der nicht nur nachrangigen, sondern auch strukturgetreuen Abbildung des ›eigentlichen‹, vorgängigen Sozialen – eines Sozialen, unter dem man meist fixe soziale Strukturen, Klassen und Schichten versteht, also je spezifische, allem Anderen zugrunde liegende politisch-ökonomische Verhältnisse. In dieser verbreiteten Denkweise der Sozialwissenschaften und der Architekturtheorie ist das Gebaute die bloße Hülle, die vom Sozialen weder etwas wegnimmt noch etwas hinzufügt, vielmehr alles lässt, wie es ist. ...

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