ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 92-99

ARCH+ 204

Fallstudie Berlin – Der Berliner Schlossplatz

Von Schneider, Dorit /  ARCH+

Kein anderes namhaftes Beispiel der Rekonstruktionsdebatte beschäftigt derzeit die erhitzten Gemüter so sehr wie die Angelegenheit „Berliner Schloßplatz“. Die Streitgespräche über die vergessene Mitte Berlins, die kurz nach der Wiedervereinigung noch die Gesamtgebiete Spreeinsel, Spreebogen und die Friedrichstadt umfassten, entzünden sich heute allein an zwei Bauten, die trotz oder gar aufgrund ihrer Abwesenheit Anlass für Diskussionen sind: Zum einen handelt es sich um den abgetragenen Palast der Republik, der zwar seit Ende 2008 verschwunden ist, aber noch immer in der Debatte fortlebt. Zum anderen diskutieren Entscheidungsträger, Fachleute und Bürger weiterhin erbittert über die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, obwohl dessen Wiederaufbau längst vom Bundestag beschlossen und mehrfach bestätigt wurde. Die Befürworter versprechen sich von der Rekonstruktion neben einer neuen repräsentativen Stadtmitte, die das Image Berlins als „Stadt des Wissens“ und als Ort, der „Ost und West zugleich“  ist, stärkt, auch hintergründig eine Überwindung der DDR-Vergangenheit. Die Gegner hingegen betrachten den Wiederaufbau als kulissenhafte Reproduktion eines Abbildes der Vergangenheit, das im 19. Jahrhundert verhaftet bleibt und das 20. Jahrhundert sowie dessen widersprüchliche Geschichte ausblenden möchte.

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