ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 112-117

ARCH+ 204

Fallstudie München – Die unsichtbare Stadt in der Stadt

Von Murrenhoff, Martin

Münchens Entwicklung ist seit Jahrzehnten durch die Spannung zwischen Bewahrung und Modernisierung geprägt. Im historischen Zentrum der Metropolregion haben sich diese scheinbar gegensätzlichen Leitbilder auf kleinster Fläche verdichtet. Der Erfolg des Zentrums basiert auf einer alchimistischen Formel: Seit der massiven Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist die Geschichte der Münchner Altstadt die eines fortlaufenden Projektes der bildlichen Rekonstruktion. Gleichzeitig ist sie aber auch die Geschichte einer unsichtbaren Modernisierung. Während an der Oberfläche die repräsentative Bildwirkung perfektioniert wird, wird unter der historisierenden Oberfläche im Verborgenen modernisiert und verdichtet. Dieses Vorgehen hat zur Entwicklung eines dissoziativen Urbanismus geführt, welcher sich in der gespaltenen Identität des Zentrums manifestiert. Die zunehmende Perfektion der idealisierten Altstadterscheinung führt zu einer Verdrängung ihrer modernen Grundlagen ins Unbewusste. Lässt sich die Logik der unsichtbaren Modernisierung als Potential verstehen und utilitaristisch für eine unsichtbare Erweiterung des musealisierten Zentrums positiv wenden?

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