ARCH+ 204

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Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 32-33

ARCH+ 204

Fallstudie Translozierung – Nagelhaus Zürich

Von Demand, Thomas /  Caruso St John Architects /  Escher, Cornelia /  Opel, Nicole

Künstler: Thomas Demand

Team: Thomas Demand, Neslihan Aydogan, Adam Caruso, Pablo Donet, Emily Keyte, Michael Schneider, Peter St John

Status: 2007 Wettbewerbsbeitrag für den Escher-Wyss-Platz in Zürich (1. Preis), 2010 Beitrag zur Architekturbiennale Venedig

Anfang 2007 lobte die Stadt Zürich einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Escher-Wyss-Platzes aus, der die Wiederbelebung dieses städtischen „Unortes“ unter dem Viadukt der Hardbrücke zum Ziel hatte. Das prämierte Konzept – eine Zusammenarbeit des Berliner Künstlers Thomas Demand mit dem Londoner Architekturbüro Caruso St John – schlägt unter dem Viadukt zwei Gebäude vor, die als „archäologische Fragmente“ auf die einst kleinteilige Bebauung an diesem Ort vor dem Bau der Hochtrasse in den 1960er Jahren verweisen.

Eine inhaltliche Aufladung erfährt das Projekt durch die Referenz an das so genannte Nagelhaus in der chinesischen Metropole Chongqing, welches vor einigen Jahren in der internationalen Presse für Aufsehen sorgte. Hier hatte der hartnäckige Widerstand der Besitzer gegen den Abriss eines ganzen Stadtviertels durch Immobilienentwickler ein einzelnes Haus isoliert in einer Baugrube für ein Einkaufszentrum stehen lassen. Das stehen gebliebene Gebäude glich einem Nagel, der in einem harten Stück Holz steckt und nicht entfernt werden kann.

Mit dem Zürcher Nagelhaus beziehen sich Demand/Caruso St John nicht nur auf das Gebäude in Chongqing. Entstehen sollte auch ein materialisiertes Nachbild des Ereignisses, dessen abstrahierte und geglättete Haut nicht das Originalgebäude, sondern das mediale Bild reproduziert und dem Platz auf symbolischer Ebene ein Quentchen widerborstiger Urbanität injiziert.

Über die funktionale und stadträumliche Intention des Projekts zur Belebung eines stadträumlich problematischen Areals legt sich eine Auseinandersetzung mit der Thematik von Kopie und Original, von Reproduktion und Rekonstruktion, wie sie Thomas Demand auch sonst in seiner Kunst thematisiert. Der Verweis auf ein mediales Monument individuellen politischen Handelns erhielt durch die politische Realität eine nicht intendierte Pointe: das Projekt kam aufgrund einer Volksabstimmung zu Fall, in deren Verlauf die Schweizerische Volkspartei (SVP) das Haus mit dem polemischen Spruch „7 Millionen für a Schissi“ plakativ auf dessen Funktion als Toilettenhäuschen reduziert hatte.

 

 

 

 

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