ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 126-129

ARCH+ 204

Von der repräsentativen zur performativen Demokratie

Von Weibel, Peter

Zwischen Politik und Kunst, sozialer und ästhetischer Ordnung gibt es seit jeher enge Beziehungen, wie sich an vielen Beispielen zeigen lässt. Nehmen wir Athen als eine zentrale Quelle europäischer Kultur. Zwischen der Entstehung der Demokratie und der Entstehung der griechischen Plastik, zwischen der politischen Form, der griechischen Demokratie, und der ästhetischen Form, der griechischen Klassik, gibt es offensichtlich Gemeinsamkeiten. Das gilt für die bildenden Künste wie für das Theater.

Der große Bildhauer Polyklet vermaß zahlreiche Menschen, um so anhand eines – vielleicht idealisierten – Durchschnitts einen Kanon der menschlichen Gestalt zu ermitteln. Ein solches repräsentatives Vorhaben kann nur in Angriff genommen werden, wenn alle Mitglieder der betrachteten Gemeinschaft auf ein einziges Maß hin orientiert sind, wo also Gleichheit innerhalb der Gruppe das Ideal ist. Der Repräsentation der menschlichen Gestalt in einem idealen Kanon entsprach der Versuch der Repräsentation der Menschen in einem idealen Kanon der sozialen Gestalt. Dieses ästhetische Ideal verdankt sich einem politischen Programm, dem Aufstieg des griechischen Bürgertums, welches den Adel als Oberschicht ablöste. ...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!