ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 170-174

ARCH+ 204

Rückkehr des Politischen – Der Auftritt des Volkes auf der leergeräumten Bühne

Von Bielefeld, Ulrich

Die öffentliche Erregung ging vom „Bahnhof“ (Stuttgart 21) auf eine „Doktorarbeit“ (zu Guttenberg) über, zwei Dinge, die nicht an sich und aus sich selbst heraus schon kollektive Leidenschaften hervorrufen. Weder eignet sich ersterer besonders dazu, zum Symbol von Widerstand zu werden, noch letztere, um auf Trug und Täuschung zu verweisen. Ein drittes umstrittenes Thema der gegenwärtigen bundesrepublikanischen Gesellschaft kann noch hinzugenommen werden: der Kampf um die Bedeutung und Beurteilung der Stellung der Migranten und Migrantinnen. Es gilt, auf den ersten Blick, einen Bahnhof, einen akademischen Titel und einen Buchtitel zu betrachten, Deutschland schafft sich ab. Wir könnten an den drei Objekten auch anderes beobachten: Fehlplanung, Betrug und Panik etwa, oder: das Versagen technokratischer Politik und – trotz allem – die Notwendigkeit des technischen Staates. Ferner eine „konservative“ (?) Trennung von Moral und Politik sowie eine „progressive“ (?) Politisierung eines akademischen Betruges und eine von Untergangsvisionen bestimmte Antwort auf die selbstgestellte Frage, wer denn nun das Volk sei, das sich abschafft. Ein Bahnhof, ein Titelbetrug und ein Buch also führten zu den nun dramatisch relativierten großen Erregungen der Republik der jüngsten Zeit. Dahinter, so kann man begründet vermuten, muss mehr stecken, und es steckt mehr dahinter: An allen drei Objekten, so wird deutlich werden, wird über Bedeutung und Größe, Form und Weiterentwicklung der politischen Gesellschaft, der Demokratie verhandelt.

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