ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 40-43

ARCH+ 204

Fallstudie Moderne – Barcelona-Pavillon

Von Mies van der Rohe, Ludwig /  Solà-Morales, Ignasi de /  Cirici, Cristian /  Ramos, Fernando /  Borree, Sarah /  Ngo, Anh-Linh

Wie in dieser Ausgabe vorgestellt, hat sich das Architektentrio Bruno Fioretti Marquez beim Wiederaufbau der Meisterhäuser von Walter Gropius in Dessau gegen eine „originalgetreue“ Rekonstruktion entschieden. Stattdessen haben sie sich in einer intensiven Auseinandersetzung mit der Rezeptionsgeschichte der Gebäude, die medial vermittelt ist, bewusst die unvermeidliche Unschärfe dieser Vermittlung als Entwurfsstrategie angewendet. Das Direktorenhaus und das Haus Moholy-Nagy, wie sie von 1926 bis zu ihrer Zerstörung 1945 bestanden, waren lediglich fragmentarisch dokumentiert und vor allem durch Fotografien repräsentiert. Wie viele seiner Zeitgenossen hatte sich Gropius die Möglichkeiten der Fotografie zunutze gemacht, um seine architektonische Idee unabhängig von der schwieriger zu handhabenden gebauten Form zu vermitteln. Die Darstellung und Überlieferung der Häuser anhand von diversen Medien und Vorstellungen wird in dem Konzept der Unschärfe von Bruno Fioretti Marquez berücksichtigt. Statt die verschiedenen Informationen hinsichtlich bestimmter Maßstäbe zu legitimieren oder abzulehnen, beziehen sie Aspekte der Geschichte dieser Architektur in den neuen Entwurf mit ein. Sie komplettieren damit das Ensemble der Meisterhäuser, distanzieren sich aber gleichzeitig deutlich und nachvollziehbar von der Rekonstruktion eines vermeintlich ursprünglichen Zustands.  Das Ergebnis wird etwas eindeutig Neues sein, das zwar die ursprüngliche Architektur wieder aufleben lässt, aber dennoch die Differenzen sichtbar macht.

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