ARCH+ 204


Erschienen in ARCH+ 204,
Seite(n) 46-51

ARCH+ 204

Fallstudie Reparatur – Museum für Naturkunde Berlin

Von Diener & Diener /  Borree, Sarah /  Ngo, Anh-Linh

2010 wurde der nach Plänen des Basler Architekturbüros Diener & Diener sanierte Ostflügel des Berliner Naturkundemuseums eröffnet. Durch Bomben im Krieg stark beschädigt, lag der Gebäudeteil jahrzehntelang als innerstädtische Ruine brach. Mit ihrem Konzept für den Wiederaufbau entschieden sich Diener & Diener gegen eine originalgetreue Rekonstruktion des ursprünglichen Baus und für eine Neuschöpfung, deren Qualität zwischen alt und neu changiert: So soll die zeitgenössische Interpretation die Spuren der Zerstörung ablesbar machen und dennoch eine eindeutige Reminiszenz an den historischen Bestand besitzen. Und damit in Kubatur, Detail und Ornamentik das Naturkundemuseum vervollständigen. Dies wurde erreicht, indem kleine Fehlstellen im Mauerwerk ausgebessert, während größere zerstörte Teile durch passgenaue Betonfertigteile ergänzt wurden. Es handelt sich dabei jedoch nicht um abstrahierte Bauteile, sondern um Abdrücke intakter Fassadenteile: Mit Hilfe von Matrizen konnte das historische Fassadenrelief auf die ergänzenden Elemente übertragen werden. Kleine Imperfektionen der bestehenden Fassade, die sich dabei in die Matrize eingeschrieben haben, bleiben in den Betonabgüssen sichtbar. Dadurch entsteht im Gesamteindruck zwar wieder eine zusammenhängende Fassade. Ihre besondere Ausstrahlung gewinnt sie jedoch durch ihre Textur, die vom Fugenbild des Sichtmauerwerks bis hin zu ornamentalen Elementen reicht, sowie durch den deutlichen Wechsel in der Materialität – Beton statt Klinker. Die monochrome Homogenität des Betons sorgt durch die materialuntypische Oberflächenziselierung für Irritation. ...

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