ARCH+ 139/140

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Erschienen in ARCH+ 139/140,
Seite(n) 24

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Die Zukunft des MoMA in New York

Von Berktold, Ruth

In New York ist die Entscheidung zur Erweiterung des MoMA mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Nach einem umstrittenen und langwierigen Auswahl- und Wettbewerbsverfahren wurde am achten Dezember schließlich Yoshio Taniguchi von den Trustees des MoMA auserkoren, die Erweiterung und den Umbau des Museums of Modern Art in New York zu planen.

Neben Yoshio Taniguchi (Japan) waren auch Herzog & de Meuron (Schweiz) und Bernard Tschumi (New York) auf der sogenannten ‘Shortlist’. Die Aufgabenstellung für die drei verbliebenen Wettbewerbsteilnehmer war so komplex, daß sie 40 Blätter Zeichnungen und 150 Seiten Bericht umfaßte. Bisher hat das Museum nur den Entwurf des Gewinners Taniguchi vorgestellt, während die Arbeiten von Herzog & de Meuron und Bernard Tschumi in einer getrennten Ausstellung gezeigt werden.

Der Wettbewerb hat für ungewöhnlich viel Aufsehen in New York gesorgt, einer Stadt, in der zeitgenössische Architektur keinen großen Stellenwert hat. Nach Angaben Terry Rileys, des Architektur-Kurators des Museums hat die außergewöhnliche Ernsthaftigkeit der drei im Rennen gebliebenen Architekten jedoch dazu geführt, das Ansehen von Architektur in Amerika zu heben.

Das Museum wollte sich mit diesem Wettbewerb im Angesicht des 21. Jahrhunderts als Museum für Moderne Kunst neu definieren. Der Neubau soll in zwei bis drei Jahren beginnen und stellt die bedeutendste Baumaßnahme in der 68jährigen Geschichte des Museums dar. Was das Wettbewerbskommitee des MoMA, bestehend aus den sogenannten Trustees wie David Rockefeller jr., Ron Lauder etc. am Ende überzeugt hat, waren vor allem die Qualität Taniguchis Gebäude in Japan. Gleichzeitig wurden aber auch Gerüchte laut, nach denen ein japanischer Sponsor mit 25 Mio. $ zum Neubau beitragen wird.

Die Entscheidung für Taniguchi verdeutlicht, daß das Museum mehr an seiner ‘modernen’ Geschichte festhalten will als an seiner zeitgenössischen Zukunft. Und um möglicher Kritik daran zu begegnen, werden die Arbeiten von Herzog & de Meuron und Bernard Tschumi erst später öffentlich ausgestellt.

Terry Riley lobte vor allem die kuratorische Anordnung der von Taniguchi entworfenen Gebäude. Obwohl die Baukörper eindeutig im ‘modernen’ Stil entworfen sind, ist die Anordnung der zeitgenössischen Kunst im ersten Stock besonders herausgestrichen worden. Ansonsten hat Taniguchi seine ‘glatten’ Gebäude von dem sehr umstrittenen Pelli-Tower abgesetzt und ihn so zu einem eigenen Element im Garten gemacht. In den vertikalen Baukörpern unterstreicht natürliches Licht die öffentlichen Bereiche.

Herzog & de Meuron haben einen zweiten Tower im bestehenden Garten als Museum vorgeschlagen. Dieses Konzept war dem MoMA anscheinend zu radikal. H & de M waren auch die einzigen der drei Wettbewerbsteilnehmer, die die Erweiterung des MoMA als ein Designprojekt betrachtet haben und sich mit ihrer Arbeit relativ programmatisch äußerten.

Bernard Tschumi hat an seinem ursprünglichen Konzept aus der ersten Wettbewerbsphase festgehalten und eine horizontale Verteilung des Museums mit eingeschnittenen Lichthöfen und einer freitragenden Auskragung über einem großen Dachgarten vorgeschlagen.

Durch diese Entscheidung wurde ein langwieriger und mühsamer Prozeß um die Neudefinition eines der bedeutendsten Museen New Yorks beendet, die vom Museum selbst als ‘verwegen’ und ‘dennoch im historischen Kontext stehend’ bezeichnet wird und zur gleichen Zeit ein Beispiel ist für viele verpaßte Chancen.

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