ARCH+ 205


Erschienen in ARCH+ 205,
Seite(n) 12-19

ARCH+ 205

Timeline Servicearchitekturen

Von ARCH+ /  Kopper, Rafael /  Ngo, Anh-Linh /  Opel, Nicole /  Schneider, Dorit /  Muhr, Chrissie

Die Geschichte der SERVICEARCHITEKTUREN ist zunächst eine Geschichte der Erschließungswege, in der die Entstehung und Entwicklung des Korridors eine zentrale Stellung einnimmt. Im 14. Jahrhundert tauchte der Begriff corridor (altitalienisch corridore, lat. currere = laufen) auf und bezeichnete einen Überbringer von Nachrichten im spanischen Kolonialreich – bezog sich also ursprünglich auf eine Person in einem territorial-militärischen Kontext (vgl. Mark Jarzombek). Im Italien des Spätmittelalters bezeichnet der Korridor erstmals einen Raum: einen Weg auf oder neben Festungsmauern. Lange Zeit sind Korridore nur im Außenraum bekannt, bevor sie im 18. Jahrhundert über die Eingangsräume (Vestibül oder Andito) in das Innere der Gebäude wandern und dort zunächst der repräsentativen, maßvoll zu durchschreitenden Enfilade einen alternativen und vor allem schnellen Verbindungsraum für das Dienstpersonal zur Seite stellen. Das 19. Jahrhundert gilt schließlich als Hochphase, in der die Korridorerschließung als architektonisches Element breite Anwendung in diversen staatlichen Großbauten wie Krankenhäusern, Gefängnissen, Kasernen und Mietshäusern findet. Der Korridor wird zum Werkzeug des „Zirkulationsmanagements für Personen“. Gleichzeitig gewinnt der territoriale Aspekt, der bei der Herausbildung des Begriffs eine Rolle gespielt hat, wieder an Bedeutung. Der Korridor wird zunehmend auch im geopolitischen Sinne verwendet (vgl. den Beitrag von Stephan Trüby). ...

 

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