ARCH+ 205


Erschienen in ARCH+ 205,
Seite(n) 20-25

ARCH+ 205

Vom Servant zum Server. Die Herrschaft der stummen Diener und elektronischen Gehilfen

Von Krajewski, Markus

Was sich im Lichtkegel der Herrschaft abspielt, ist seit langem Gegenstand der Forschung. Deren Aufmerksamkeit richtet sich dabei meist auf die Darstellung und sorgfältige Inszenierung der Macht – das morgendliche Aufstehritual des Königs im Schlafzimmer von Versailles oder die offiziellen Zimmerfluchten in den Repräsentationsapartments der Paläste. Was fehlt ist hingegen der Blick hinter die Kulissen der Macht und auf die dort vorhandenen Service-Konstellationen der Architektur. Das heißt, es fehlt ein Blick auf die technische Infrastruktur, die es überhaupt erst ermöglicht, dass die Herrschaft versorgt und erhalten bleibt. Es gilt also, dem Konzept einer Herrschaftsarchitektur die bis dato weitgehend vernachlässigte Analyse einer Dienstbarkeitsarchitektur hinzuzufügen. Diese Architektur muss nicht nur selbst dienlich sein, sondern zeigt sich zudem bevölkert von Dienern aller Art, menschlicher ebenso wie nicht-menschlicher Natur, die im Verborgenen zu einer selten bemerkten Macht gelangen. Hinter der offiziellen enfilade existiert stets auch eine unüberschaubare Anzahl von Versorgungswegen, geheimen Gängen, unscheinbaren Tapetentüren und speziellen Dienstbotenstiegen, mit deren Kenntnis die Diener das wahre Herrschaftswissen verwalten und bestellen. Das Wissen um die Macht der Dienstbarkeitsarchitektur ist heute entscheidend, wenn wir die Bedeutung der verborgenen elektronischen Gehilfen für die Informationsgesellschaft oder der logistischen Landschaft für die Dienstleistungsgesellschaft verstehen wollen. ...

 

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