ARCH+ 206/207


Erschienen in ARCH+ 206/207,
Seite(n) 67-71

ARCH+ 206/207

Slum-Ökologie aus: Planet der Slums

Von Davis, Mike

In der Scheiße leben

Unmengen von Exkrementen sind tatsächlich der ursprünglichste Widerspruch der Stadt. In den 1830er und Anfang der 1840er Jahre, als Cholera und Typhus in London und den Industriestädten Europas wüteten,  war die ängstliche britische Mittelklasse gezwungen, sich mit einem Thema zu befassen, das normalerweise nicht in den Salons diskutiert wurde. Das bürgerliche “Bewusstsein”, erklärt der Kenner des viktorianischen Zeitalters Steven Marcus, “wurde plötzlich durch die Erkenntnis aufgeschreckt, dass Millionen von englischen Männern,  Frauen und Kindern buchstäblich in der Scheiße lebten. Die naheliegende Frage scheint gewesen zu sein,  ob sie darin ersaufen würden.”1 Aufgrund der Epidemien, von denen man glaubte, dass sie durch die stinkenden fäkalen “Miasmen” [giftigen Ausdünstungen] der Slumbezirke verursacht würden,  interessierten sich die Herrschenden plötzlich für Verhältnisse, wie sie Friedrich Engels für Manchester beschrieben hat, wo sich in einigen Straßen “über zweihundert Menschen einen einzigen Abort teilten”, und der einstige ländliche River Irk nun “ein kohlrabenschwarzer stinkender Fluss voller Schmutz und Abfall” war. ...

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