ARCH+ 208


Erschienen in ARCH+ 208,
Seite(n) 170-175

ARCH+ 208

Die Architektur der differenziert-temperierten Umwelt. Das Projekt „Antivilla“ von Brandlhuber+

Von Kuhnert, Nikolaus /  Ngo, Anh-Linh /  brandlhuber +

Welche Schlüsse lassen sich aus den in diesem Heft vorgestellten japanischen Wohnbauten für europäische Architekten ziehen? Können wir nur mit Staunen die Radikalität der Projekte gourmethaft genießen und ansonsten achselzuckend darauf verweisen, dass bei uns ja ganz andere bautechnische Standards und klimatische Bedingungen herrschten? Dass es bei uns keine Bauherren gäbe, die solche Experimente eingehen würden? Die es in Kauf nähmen, die sichere Komfortzone zu verlassen, um ein anderes Leben zu führen? Sicherlich sind diese einwände nicht ganz von der Hand zu weisen, aber sie dienen meist auch dazu, wieder ungestört zur Tagesordnung übergehen zu können. Das vorliegende Heft verfolgt daher das Ziel, das Kreative Potenzial herauszuarbeiten, das in den vorgestellten Lösungen steckt und zum weiterdenken anzuregen. Denn die Freiheit, die all diese Projekte auszeichnet, entsteht erst durch das Infragestellen vermeintlich eherner Gesetze und Gewohnheiten und in der Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen und Vorgefundenen.

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Am Beispiel der Antivilla lässt sich die Unterscheidung zweier grundverschiedener Architekturkonzepte gut nachvollziehen, die Reyner Banham in seinem Buch „The architecture of the welltempered environment“ beschrieben hat. Darin differenziert er zwischen zwei Arten der Raumbildung, der konstruktiven- und der energiegestützten Lösung: „Dieser Unterschied soll durch eine Art Parabel verdeutlicht werden, in der ein wilder Stamm […] abends an einer Lagerstätte ankommt, und sie gut mit Bauholz ausgestattet vorfindet. Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten, mit dem Umwelt-Potential Holz umzugehen: es könnte entweder zur Errichtung eines Wind- oder Regenschutzes genutzt werden – die konstruktive Lösung – oder um ein Feuer zu machen – die energiegestützte Lösung.“ Banham zufolge basiert unser Architekturverständnis bisher vorwiegend auf der konstruktiven Lösung, bei der Räume durch massive Konstruktionen gebildet werden: „Kulturen, die ihre Umwelt mit Hilfe von massiven Konstruktionen organisieren, neigen auch dazu, Raum so zu sehen, wie sie ihn erleben, also begrenzt und abgeschlossen durch Wände, Fußboden und Decke.“

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