ARCH+ 209


Erschienen in ARCH+ 209,
Seite(n) 52-59

ARCH+ 209

Besitz und Besessenheit. Strukturen des Grundeigentums in London

Von Beech, Nick /  Thomas, Amy

1066 führte William der Eroberer in England einen radikalen Rechtstitel ein, der die Verschmelzung von territorialer Souveränität und privatem Anrecht am Land vorsieht und sich rechtlich bis heute erhalten hat. Faktisch bedeutet es, dass niemand außer der Krone „Eigentum“ an Grund und Boden haben kann. Dennoch scheiterten nach dem Großen Brand von 1666 alle Pläne für einen Neuaufbau Londons an den Interessen der größtenteils aus Kaufleuten bestehenden Grundbesitzer der City, die sich weigerten, sich der Autorität der Krone zu unterwerfen.

Dieser augenscheinliche Widerspruch löst sich auf, wenn man sich die unterschiedlichen Konzepte von Eigentum und Besitz des common law, also des im gesamten angloamerikanischen Raum üblichen richterrechtlichen Gewohnheitsrechts, und des civil law, des auf dem römischen Recht basierenden Zivilrechts, vor Augen hält. Zur Zeit des Großen Brands hatte sich nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen der empirischen Realität individueller Rechtstitel an Grund und Boden und der offenkundig fiktiven Vorstellung eines allodiums, also eines freien Erbguts der Krone, bereits ein mehrdimensionales und komplexes Verständnis von „Grundbesitz“ im common law entwickelt. ...

 

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