ARCH+ 209

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Erschienen in ARCH+ 209,
Seite(n) 124-125

ARCH+ 209

Folly for a Flyover

Von Assemble

Das temporäre Projekt Folly for a Flyover unter der Autobahnbrücke der A12 im Londoner Viertel Hackney Wick war im Sommer 2011 Standort eines sechswöchigen Programms mit Performances, Theateraufführungen und Filmvorführungen. Es war Teil des Create Festivals und verwandelte diesen betonüberwölbten Nicht-Ort am Lea Navigation Canal in der Nähe des Olympischen Parks in einen beliebten öffentlichen Raum. Tagsüber bildete ein überdachtes Café einen Treffpunkt für Anwohner und Besucher, nachts bot eine Tribüne unter den Fahrbahnen einen geschützten Ort für die Vorführungen.

Der Titel des Projekts nimmt Bezug auf die follies genannten Staffagearchitekturen in den englischen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts, die häufig in Form von fingierten einfachen Bauernhäusern, antiken Ruinen und ähnlichem angelegt waren. Assemble entwickelte mit dem Verfremdungseffekt, der sich durch die Anlage der Installation im Stil eines traditionellen Backsteinhauses einstellt, ein Narrativ für diesen unwirtlichen Ort. Das Gebäude konnte den Eindruck erwecken, man habe es beim Bau der Autobahnbrücke (flyover) unter den mächtigen Fahrbahnen stehengelassen. Tatsächlich bestand das Häuschen jedoch aus recycelten, in Ziegelgröße geschnittenen Holzblöcken und imitierte mit seiner Erscheinung das klassische Ziegelmauerwerk der Bebauung im benachbarten Hackney Wick. Wegen der ephemeren Natur des Projektes wurde von Anfang an eine Strategie entwickelt, wie die eingesetzten Materialien nach dem Abbau wiederverwendet werden könnten. Alle Komponenten wurden entweder an den Ursprungsort zurückgegeben oder fanden eine neue Anwendung in der Umgebung. So wurden die Holzziegel in der benachbarten Gainsborough School für Pflanzenbehälter und Spiele recycelt.

Im Laufe des Sommers 2011 zog Folly for a Flyover über 20.000 Menschen an. Das Projekt wurde zusammen mit 68 lokalen Gruppen und Unternehmen entwickelt, von Lebensmittellieferanten und Baufachleuten bis hin zu Musikern und Kunstfestivals, und innerhalb von vier Wochen von 200 Freiwilligen von Hand gebaut. Der bis dahin verfallene, geradezu bedrohliche Ort wurde durch die temporäre gemeinschaftliche Nutzung und den hands-on-Ansatz aktiviert. Der Erfolg des Projekts führte zu langfristigen Investitionen in das Gebiet durch die London Legacy Development Corporation (LLDC), die für die Nachnutzung der Olympischen Einrichtungen verantwortlich ist.

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