ARCH+ 209

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Erschienen in ARCH+ 209,
Seite(n) 156-173

ARCH+ 209

ARCH+ features 17: Lernen von London. Sozialer Wohnungsbau zwischen privater Stadtproduktion und Gentrifizierung

Von Harnack, Maren

Die Produktion von Stadt hat in Großbritannien eine vollkommen andere Tradition als in Deutschland. Während bei uns auch in den großen Stadterweiterungsquartieren der Gründerzeit häufig Einzelinvestoren auftraten, die ein Grundstück in Realeigentum erwarben, dort ihrem Beruf nachgingen, wohnten und einen Teil der Wohnungen vermieteten, wurden in Großbritannien schon seit dem 17. Jahrhundert ganze Quartiere von Bauträgern entwickelt. Diese planten und bauten nicht nur die Häuser, sondern auch Straßen und Plätze, die sie durch den Verkauf der Häuser refinanzierten.

Dieses System von Stadtentwicklung hat Folgen, die auch heute noch spürbar sind. Dazu gehören erstens die relativ schwach ausgeprägte Bauleitplanung, zweitens die durchweg geringe Dichte auch innerstädtischer Projekte und drittens die bis heute anhaltende Dominanz der großen kommerziellen Bauträger auf dem Markt für Neubauwohnungen. In diesem Kontext hatte der kommunale soziale Wohnungsbau in London während der wohlfahrtstaatlichen Phase nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur zum Ziel, die ärmsten Schichten der Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen, sondern auch als Vorbild in den privaten Sektor hinein zu wirken.

Mit der weitgehenden Liberalisierung des Marktes durch Thatcher kam die Tradition der privaten Stadtproduktion seit den 1980er Jahren wieder verschärft zum Tragen – einschließlich der notorisch problematischen Situation auf dem Wohnungsmarkt. ...

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