ARCH+ 210


Erschienen in ARCH+ 210,
Seite(n) 52-63

ARCH+ 210

Konstruktion und Baukörper in Schinkels Architektur

Von Posener, Julius

Wir haben festgestellt, daß Karl Friedrich Schinkel andere Bahnen eingeschlagen hat als sein Lehrer Friedrich Gilly. Alste Oncken bezeichnet in ihrem Buch über Gilly das, was Schinkel von Gilly unterscheidet: es sei, sagt sie, die Darstellung der Konstruktion in der Architektur. Sie deutet an, daß in den letzten Arbeiten Gillys diese neue Tendenz bereits sichtbar werde durch eine stärkere Gliederung der Flächen durch Pilaster etc.; denn das sind ja ihrer Herkunft nach Konstruktionsglieder. Man könnte also sagen, der Gegensatz, der zwischen Gilly und Schinkel besteht, sei der gleiche Gegensatz der Auffassung, welcher zwischen Marc-Antoine Laugier und dem jungen Goethe bestanden hat, als Goethe seinen Aufsatz über das Straßburger Münster schrieb. Der Aufsatz – wir haben ihn in einer früheren Vorlesung erwähnt – war gegen Laugiers Auffassung gerichtet, daß das konstruktive Gerüst eines Gebäudes das Wesentliche seiner Konstruktion sei. Die tragende Mauer existiert in dieser Auffassung der Konstruktion nicht; die Mauer wird von Laugier als Wandabschluß und Füllung zwischen den konstruktiven Teilen angesehen, also als etwas Passives. ...

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