ARCH+ 210


Erschienen in ARCH+ 210,
Seite(n) 145-153

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Friedrich Engels' Kritik

Von Posener, Julius

In der vorangegangenen Vorlesung war von der Langeweile die Rede, welche in einer kleinen Gemeinschaft auf dem Lande herrschen müsse. Die Gelegenheit, bei der ich davon sprach, war Charles Fouriers Erwähnung des Palais Royal in Paris als einer Vorform des Phalanstère: Bereits das Palais Royal, sagte er, sei ein großes Wohngebäude, in welchem sich neben Wohnungen Läden, Cafés, Passagen, Versammlungsräume und sogar ein Theater befanden. Aber dieses Wohngebäude stand mitten in der Großstadt, die Leute wohnten zufällig dort, sie bildeten keine Gemeinschaft wie im Phalanstère; und die anderen Einrichtungen des Palais hatten mit ihnen nichts zu tun. Sie waren öffentlich. Die Öffentlichkeit, sagte ich, die Anonymität, das großstädtische Leben, seine Mannigfaltigkeit und gerade die Tatsache, daß diese Mannigfaltigkeit beliebig war, nicht geplant – oder gar pädagogisch geplant wie im Phalanstère –, eben dies mache den Reiz des Palais Royal aus. Nur in der Großstadt sei es möglich, nur die Großstadt habe diesen Reiz, gebe diese Anregungen. Aber, fuhr ich fort, die Großstadt beherberge zur gleichen Zeit so große Übel, daß der Preis für ihre Reize zu hoch sei. Dabei habe ich es gelassen; und ich muß gestehen, daß ich die Frage der Majestät, der Annehmlichkeiten und der Schrecken der Großstadt, wie sie sich bereits im 18., besonders gewaltig aber im 19. Jahrhundert entwickelt hat, offen gelassen habe. Hören wir jetzt, was ein verläßlicher Zeuge, Friedrich Engels, über die größte der großen Städte gesagt hat, über London. ...

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