ARCH+ 210


Erschienen in ARCH+ 210,
Seite(n) 200-207

ARCH+ 210

Ingenieur-Architektur der Jahrhundertmitte

Von Posener, Julius

Unser Thema ist die große Stadt. Wir haben am Ende der vorigen Vorlesung eines ihrer Organe erwähnt, die Hallen von Paris. Von den Organen der großen Stadt wird jetzt die Rede sein. Schon Jean-Nicolas-Louis Durand hatte sich mit den neuen Gebäuden beschäftigt, welche die bürgerliche Metropole brauchte: Krankenhaus, Gefängnis, Irrenhaus, Museum, Justizpalast, Bibliothek. Das sind Gebäudetypen, deren die Metropole der Könige nicht bedurft hatte. Aber Durands Projekte tragen noch nicht den Stempel der industriellen Revolution, ihre Konstruktionen sind konventionell. Und wenn Victor Baltard, der Architekt der Hallen, zunächst einen Entwurf mit konventioneller Konstruktion lieferte – Mauern und hölzerne Dächer –, so steht er noch in der Tradition Durands. Aber um die Jahrhundertmitte war diese Tradition für die rein praktischen Zwecken dienenden Organe der Großstadt bereits veraltet. Museen, Gerichtshöfe, Bibliotheken konnte man weiter so bauen. Selbst Henri Labrouste, der Mann, der die Eisenkonstruktion in Gebäude dieser Art eingeführt hat – Karl Friedrich Schinkels Versuche in dieser Richtung sind zum größten Teil Entwürfe geblieben –, hatte seine Bibliotheken in einen Mauermantel eingeschlossen. Eine Bibliothek repräsentiert den Staat, eine Markthalle brauchte sich nicht mit Repräsentation belasten. ...

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