ARCH+ 168


Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 44-49

ARCH+ 168

Verborgene Kontinuitäten des chinesischen Urbanismus

Von Münch, Barbara

 

Mit Schrecken und Faszination beobachtet der Westen den ungeheuren Bauboom in China. Ganze Altstädte werden abgerissen und durch gesichtslose Hochhaussiedlungen und Autoschnellstraßen ersetzt. Wie sind diese Phänomene zu erklären: als Globalisierung, blindes Kopieren des Westens oder endgültiger Verlust der eigenen Identität? Handelt es sich dabei um einen völligen Bruch mit der eigenen Geschichte? Ereignet sich hier etwas gänzlich Neues, Unverständliches, wie uns einige Vertreter der Fachwelt, wie z.B. Rem Koolhaas, glauben machen wollen, der in China die “truely generic condition of the contemporary city” entstehen sieht und denkt, “these emergent cities teach us about what is in the midst of happening, even though we may not be able to extract a theory from it.”1 Dies mag auf den ersten Blick so sein. Auf den zweiten Blick läßt sich jedoch erkennen, daß das den Westen schockierende und faszinierende Stadtwachstum in China weder völlig unerklärbar generic ist, noch ein schlecht kopierter Westimport, sondern “urchinesischen” Regeln folgt. Phänomene wie die Zerteilung des Stadtraums in gated communities, seine Zerschneidung durch Autoschneisen und die scheinbar endgültige Verwirklichung der Stadt der Moderne à la Corbusiers Plan Voisin sind aus der chinesischen Tradition heraus entstanden und erklärbar; sie stimmen durchaus mit der chinesischen Vorstellung von “richtiger” Raum- und Gesellschaftsstruktur überein. Das letzte Jahrhundert war für China eine Epoche des turbulenten Wandels, vom Kaiserreich über die frühe chinesische Republik und den maoistisch-kommunistischen Staat hin zu einer asiatisch-pazifischen Supermacht. Ohne grundlegende Veränderungen der chinesischen Gesellschaft in diesen turbulenten Zeiten negieren zu wollen, soll hier die der chinesischen Stadtstruktur zugrundeliegenden Kontinuität der Gesellschafts- und Raumordnung beschrieben werden, um so einen neuen Blickwinkel auf das chinesische Stadtwachstum zu eröffnen.

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