ARCH+ 215


Erschienen in ARCH+ 215,
Seite(n) 14-15

ARCH+ 215

Architekturdarstellung

Von Reese, Achim /  Lusic-Alavanja, Sara

Angesichts von Fortschritten in der Artillerieballistik erlangt die Grundrissaxonometrie im 16. Jh. als „Militärperspektive“ besondere Bedeutung, da sie zugleich Übersicht bietet und Distanzen unverzerrt wiedergibt. Friedrich Kittler verweist auf die kulturelle Prägung der Perspektive, die auf einen subjektiven Standpunkt ausgelegt ist und damit dem Anthropozentrismus des Abendlandes entspricht. Als jesuitische Missionare im 17. Jh. die Perspektive in China zu etablieren versuchen, stoßen sie auf Kritik, da nach der taoistischen Auffassung der Mensch nicht das Maß aller Dinge ist. In seiner Histoire de l’architecture (1899) stellt Auguste Choisy kanonische Bauten in Schnittaxonometrien dar. Die Darstellung der Bauten als isolierte Objekte verdeutlicht den Zusammenhang zwischen konstruktiver Struktur und räumlicher Wirkung und entspricht zugleich der „Lösung des einzelnen Hauses aus dem Zusammenhang von Platz und Straße“ (Julius Posener) im bürgerlichen 19. Jahrhundert. Der sowjetische Konstruktivist El Lissitzky, der der Stijl-Gruppe nahesteht, fordert in seinem Aufsatz K. und Pangeometrie (1925) die Abkehr von der „bürgerlichen“ Perspektive zugunsten der axonometrischen Darstellungsweise der Ingenieure. In der Postmoderne wird die Axonometrie zur bevorzugten Darstellungsmethode, da sie die Körperhaftigkeit und die Autonomie des architektonischen Objektes betont. …

 

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