ARCH+ 218


Erschienen in ARCH+ 218,
Seite(n) 18-19

ARCH+ 218

Henry David Thoreau – Oder: Ist das Wohnen dem Experiment zugänglich?

Von Krausse, Joachim

Wohnen ist nicht nur ein beträchtlicher Teil unseres Lebens, es sieht dem Leben auch ziemlich ähnlich. Auch sprachlich haben die Verben wohnen und leben gemeinsam, dass sie intransitiv, nicht auf etwas zielend, gebildet sind: Bei ihnen steht kein Akkusativobjekt und sie bilden kein persönliches Passiv. Obwohl es daher unstatthaft ist zu sagen, "ich werde gelebt" oder "ich werde gewohnt", beschleicht uns doch ab und zu eben jenes Gefühl, das eigentlich nur Romanfiguren zukommt, die ahnen, dass sie ihr Sein einem Geschriebenwordensein verdanken. Im Falle des Wohnens ist die Sache ziemlich prekär, weil wir über den Seitenweg des Gewohntseins eben doch sagen können, "ich werde gewöhnt" – nämlich an Zustände, Verhältnisse und eben Wohnungen. Und man fragt sich unwillkürlich, ob in diesem "Gewöhnen an ..." (nämlich alles Mögliche) nicht nur der große evolutionäre Vorteil der Spezies Homo sapiens liegt, sondern auch eine Gefahr…

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