ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 10

ARCH+ 221

Abfalls, eine Theorie des

Von Hauser, Susanne

 

Michael Thompsons Theorie des Abfalls, erschienen 1979 unter dem Originaltitel Rubbish Theory, beschäftigt sich mit den Veränderungen, denen die Wertschätzung und der Wert von Dingen unterliegen. Als Anthropologe und Konsumforscher interessiert ihn der Umstand, dass sich Bewertungen unerwartet und radikal verschieben können. Am besten lassen sich solche Prozesse, so Thompson, untersuchen, wenn man dort beginnt, wo einer Sache gar keinen Wert mehr beigemessen wird, also bei Gerümpel, Müll und Abfall.
Als paradigmatischen Fall wählt er die erstaunliche Wertentwicklung viktorianischen Zierrats, die zur Entstehungszeit seines Buches gerade neuen Höhen entgegenstrebte. Über Jahrzehnte hatten die einstmals alltäglichen Schmuckobjekte allenfalls als Gerümpel („rubbish“) überlebt. Wie alle preiswerten Alltagsgegenstände hatten auch sie nach ihrem Kauf nur noch an Wert verloren („transients“), bevor sie unmodern wurden. Es war nicht vorgesehen, dass sie in jene Kategorie der dauerhaften Dinge, die Thompson als „durables“ bezeichnet, aufsteigen sollten, der Dinge, die, wie unbestrittene Kunstwerke, mit dem Alter an Wert gewinnen und mächtige Käufer anziehen – und doch war Ende der 1970er-Jahre genau das geschehen. ...

 

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