ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 14-15

ARCH+ 221

Anthropologische Theorie der Konstruktion

Von Roesler, Sascha

Zur Zeit der Postmoderne galt „Theorie“ als reflexives Widerlager der Architektur (mit der „Geschichte“ als eigentlichem Inhalt). Heute übernimmt diese reflektierende Funktion die „Forschung“ (mit dem „Wissen“ als ihrem eigentlichen Inhalt). Das reflexive Projekt der Architektur besteht entsprechend in der Erforschung von unterschiedlichen baulichen Wissensbeständen  – und weniger in der gedanklichen Durchdringung von Geschichte, was diesem Projekt einen empirischen und postkolonialen Zug verleiht. „Anthropologische Theorie der Konstruktion“ ist der Name einer solcherart gewendeten Reflexion von Architektur (auch als „Architektur-Anthropologie“ bekannt).

Hassan Fathys Diktum, Architektur beschäftige sich nicht nur mit Gebäuden, sondern mit Gebäuden und Menschen, bringt emblematisch ein Architekturverständnis auf den Punkt, das seine konzeptionellen Anfänge in Gottfried Sempers Projekt einer „vergleichenden Baulehre“ genommen hatte – jenem lange angekündigten, aber unrealisierten dritten Band seiner Betrachtungen über den Stil in den technischen und tektonischen Künsten (1860–63). Die Korrelierung von Gebäuden mit Menschen kann ganz allgemein als anthropologischer Begründungsversuch von Architektur begriffen werden, der von einem inhärenten, von physikalischen Gegebenheiten ausgehenden Begründungsansatz unterschieden werden muss. Ein anthropologisches Verständnis von Architektur zieht wechselweise Bauen und Menschsein zu ihrer Bestimmung heran. ...

 

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!