ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 15-17

ARCH+ 221

Anthropozäns, Theorie des

Von Hannes Mayer

Was bedeutet es, wenn das Erscheinen des Menschen im Holozän nun eine eigenständige erdgeschichtliche Bezeichnung als Anthropozän nach sich zieht? Während Max Frisch in seiner Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän (1979) anhand der Figur des Herrn Geiser die Nutzlosigkeit menschlichen Wissens und die Vergänglichkeit des Menschen allgemein thematisiert, basiert die Vorstellung von einem „Anthropozän“ gerade auf der Erkenntnis von der anhaltenden, irreversiblen Veränderungskraft des Menschen auf das Ökosystem Erde.

Der Atmosphärenchemiker Paul Crutzen popularisierte den Begriff und gehört zu jenen Forschern, die mit ihren Untersuchungen zu den Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Erdatmosphäre – und damit verbunden das Weltklima – die Grundlagen für eine Theorie des Anthropozäns legten. Dabei führt Crutzen den Begriff auf den italienischen Geologen Antonio Stoppani zurück. Dieser sah bereits im 19. Jahrhundert das Handeln der Menschen als ebenbürtig zu den Naturgewalten. Im Sinne von Spinozas Begriff der Natura naturans wurde die Natur stets als eigenwüchsige Kraft betrachtet, die sich unabhängig vom Menschen ereignet. Kant ging sogar so weit, sie als geradezu unerreichbar zu betrachten. Diese Vorstellung weicht der Erkenntnis, dass sie in zunehmendem Maße vom Menschen beherrscht wird. ...

 

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