ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 28-32

ARCH+ 221

Autostraße, Theorie der

Von Wegerhoff , Erik

Die Theorie der Autostraße bedarf der nachträglichen Rationalisierung: Feststehende Begriffe und Konzepte gibt es ebenso wenig wie eine anerkannte Serie kanonischer Beiträge. So ist die folgende Textauswahl ebenso angreif- wie erweiterbar. Aber es gibt durchaus einen mehr oder minder kohärenten Straßen-Diskurs, in dessen Beiträgen sich neuralgische (Wende-)Punkte abzeichnen, die zudem um immer wieder aufgegriffene Aspekte kreisen: Als Bauwerk werden „Form“ und „Raum“ der Straße diskutiert. Da deren Ausdehnung jedoch diffus ist, wird die Straße fast immer als Teil einer weiter gefassten „Umgebung“ betrachtet. Zuletzt ist der Aspekt der „Bewegung“ zentral, das heißt in aller Regel der Maximalgeschwindigkeit eines Automobils. Der eigentlich offensichtliche Aspekt des Transports von Menschen und Gütern auf dem Kommunikationssystem Straße bleibt diesen Aspekten gegenüber erstaunlicherweise sekundär.

In seiner um 1900 erschienenen Esthétique de la rue lässt der französische Kunstkritiker Gustave Kahn einem historischen ersten Teil (La rue de jadis: von den Straßen Pompejis über die Straße in der Literatur von 1001 Nacht bis hin zu Stadträumen wie Brücke, Markt und Kirchplatz) eine Betrachtung der aktuellen Situation folgen. Ganz Verfechter eines von Charles Baudelaires Peintre de la vie moderne (1863) entwickelten Modernitätsbegriffs, unterscheidet Kahn zwischen unbeweglicher und beweglicher Ausstattung der Straße (parure immobile und parure mobile). ...

 

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