ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 56-57

ARCH+ 221

Diskurstheorie, Michel Foucaults

Von Hartbaum, Verena

Drei neuere Bücher zum Thema:

Gordana Fontana-Giusti: Foucault for Architects, London and New York: Routledge, 2013

Paul Hirst: Space and Power: Politics, War and Architecture, Cambridge: Polity, 2005

Russell West-Pavlov: Space in Theory. Kristeva, Foucault, Deleuze, Amsterdam: Rodopi, 2009

Man könnte Michel Foucault eine räumliche Besessenheit unterstellen. Oder man könnte ihn gar als Architektur-Stalker bezeichnen. Denn obwohl er an gebauter Architektur wie auch an Architekten im allgemeinen nicht besonders interessiert zu sein schien, nutzte er in zahlreichen Schriften konkrete räumlich-architektonische Beschreibungsmodelle wie beispielsweise die Klinik oder das Gefängnis und ist mit seiner Einführung des Begriffes der „Heterotopie“ besonders unter Architekten auf große Begeisterung gestoßen. Immer wieder untersuchte der französische Philosoph genealogisch die sich fortlaufend verändernde politische Bedeutung von Raum und gebauter Umgebung. Dabei ging es ihm weniger um eine objekthaft verstandene Architektur als vielmehr um die mit Architekturen verbundenen Praktiken. So gab er beispielsweise auf eine Frage nach der sozialen Wirksamkeit von Architekturproduktion folgende Antwort: „I think that it can and does produce positive effects when the liberating intentions of the architect coincide with the real practice of people in the exercise of their freedom.“

Den ordnenden Charakter von Architektur, das heißt ihre Fähigkeit eine bestimmte Anordnung von Menschen im Raum zu sichern, ihre Bewegungen zu kanalisieren und ihre wechselseitigen Beziehungen zu programmieren, nutzte (oder gar: brauchte6) Foucault, um über die Ordnung von Diskursen zu sprechen. In ihrem epochenspezifischen Auftreten wird dabei die Ordnung der Diskurse nicht nur als Methode beschrieben, „die Dinge zu ordnen“, sondern auch als eine, die darüber entscheidet, was überhaupt zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb einer bestimmten Gesellschaft denk-, sag- und machbar ist, was sozusagen „in Frage kommt“, was die erfahrbare Wirklichkeit überhaupt sein kann. ...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!