ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 75-76

ARCH+ 221

Feste, eine Theorie des

Von Markus, Elena

Der Mensch braucht Feste. Um dem Alltag, der Routine, der Wiederholung des Immergleichen, der Banalität des Daseins zu entkommen; oder um das Mehr an „Sinn“, das innerhalb des Alltags nicht bewältigt werden kann, in einen Sonderbereich zu verlegen. Jedoch herrscht in der einschlägigen Literatur keine Übereinstimmung darüber, was überhaupt unter dem Begriff des „Festes“ zu fassen ist. Auch ist unklar, inwiefern das Fest einen Kontrapunkt zum Alltag bildet oder als dessen Bestandteil anzusehen ist: Es kann eine Flucht und Befreiung aus den alltäglichen Zwängen bedeuten. Es kann „ein gestatteter, vielmehr gebotener Exzeß, ein feierlicher Durchbruch eines Verbots“ sein. Oder es ist eine Stärkung des Gesellschaftlichen in Form von Erinnerung an „die großen Ahnen, an das kollektive Ideal“.

Wieder andere sehen es als Umkehrung der alltäglichen Ordnungen oder als Manipulationsmittel politischer oder ökonomischer Eliten. Josef Pieper (1904–97), ein christlicher Philosoph und gläubiger Katholik, definiert in seinem essayistisch angelegten Werk zur Theorie des Festes, was unter einem wahren Fest zu verstehen und welches als ein falsches zu bezeichnen ist. Allerdings werden zunächst nur diejenigen der Argumentation Piepers folgen können, die auch der Vorstellung des „schöpferischen Gedanken Gottes“ folgen können. Ein wahres Fest ist ein Tag der Freude, und, so Pieper, „Freude ist eine Äußerung der Liebe“. ...

 

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