ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 111-112

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Muße, Theorie der

Von Keiling, Tobias

Muße (gr. scholé, lat. otium) wird seit der klassischen antiken Philosophie (Platon, Aristoteles) als die entscheidende Bedingung von Theorie selbst verstanden: Man braucht Muße, um Theorie treiben zu können. „Theorie“ (gr. theoría, lat. contemplatio) ist dabei als Sammelbezeichnung für all jene Aktivitäten zu sehen, die kein Ziel außerhalb ihrer selbst haben, sondern in sich vollendet sind. Dies sind für die antiken Philosophen Aktivitäten des menschlichen Geistes und paradigmatisch die Philosophie selbst. Etymologisch verweisen Formen von Theorie auf Schauen, Betrachten und Beobachten (theorein, contemplari), auf Distanz als phänomenale Grundlage auch intellektueller Theorie.

Weil das intellektuelle Tätigsein Menschen am angemessensten sei, birgt die Muße einer theoretischen Lebensform (bios theoretikos, vita contemplativa) der antiken Überzeugung nach auch das Versprechen eines glückseligen Lebens. ...

 

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