ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 181

ARCH+ 221

Die Macht der Bewegung

Von Becker, Stephan

Das Schwerpunktheft der Zeitschrift für Medienwissenschaft zum Thema „Medien / Architekturen“ macht deutlich, warum die Architektur nur gewinnen kann, wenn sie als „ein Medium unter anderen“ verstanden wird.

Christa Kamleithner, Roland Meyer und Julia Weber widmen sich mit ihrer Auswahl an Beiträgen dem Themenfeld auf architektonisch handfeste Weise: Lüftungskanäle, Drehtüren, Aufzüge und Korridore (vgl. auch ARCH+ 191/192 Schwellenatlas). Um blinkende Fassaden und postmoderne Sprachspiele machen sie einen weiten Bogen und zeigen stattdessen, wie „im Wechselspiel von technischen Gefügen, theoretischen Modellen und sozialen Konstellationen“ Architektur immer wieder neu bestimmt wird. Äußerst lesenswert propagieren sie damit ihren Ansatz, Architektur als Medium zu begreifen. Zugleich untersuchen sie aber auch die sich wandelnde Medialität von Architektur, also ihre spezifische Konstitution als Medium zu verschiedenen historischen Zeitpunkten. Das berührt unser grundlegendes Verständnis von Architektur, denn eine Tür ist damit niemals nur eine Tür: aufgrund zahlloser Rückkopplungen mit anderen Medien ist kein Medium in seiner Beschaffenheit und in seiner Wirkweise konstant.

Warum Architektur überhaupt als Medium verstanden werden kann, formulieren sie in der Folge von Marschall McLuhan, Friedrich Kittler oder Wolfgang Schäffner mit einer sehr weitgehenden Definition des Begriffs. Lassen sich Räume nicht als Environments verstehen, die das „Zusammenspiel der Sinne“ konfigurieren? Und könnte man nicht einzelne Gebäude oder ganze Städte als „operative Gefüge“ analysieren, die mittels so urarchitektonischer Elemente wie Türen, Fenster oder Korridore Ströme regulieren und damit auch Informationen verarbeiten? Während die Idee des Environments im Sinne einer Übertragung von Inhalten von Sendern zu Empfängern noch der landläufigen Vorstellung eines Mediums entspricht, werden mit dem Konzept vom operativen Gefüge in gewisser Weise die Menschen selbst zur Message, die durch die Kanäle zirkuliert. Den Architekten mit ihren auch heute nur bedingt gezähmten Allmachtsphantasien dürfte diese Idee zumindest nicht vollkommen fremd sein. Aber umgekehrt haben sich auch die Medienwissenschaften oft der Architektur bedient, um ihre Theorien zu veranschaulichen. ...

 

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