ARCH+ 221


Erschienen in ARCH+ 221,
Seite(n) 182-183

ARCH+ 221

Kann Architektur Gesellschaft verändern?

Von Kockelkorn, Anne

Drei Publikationen zur Nachkriegszeit geben Antworten

Bücher können zu Gesprächen anregen. Auch mit Unbekannten. So kam es kürzlich am U-Bahnhof Kottbusser Tor zur Begegnung mit einer älteren Dame, die beim Anblick eines Buchcovers in Rage geriet: „Architektur und Demokratie! Da kann ich Ihnen was erzählen: Beim Bau der Berliner Nationalgalerie gab es so etwas wie öffentliche Mitbestimmung! Aber heute? Können Sie glatt vergessen!“ Auslöser war das Buch People’s Palaces—Architecture, culture and democracy in post-war Western Europe zu Kulturbauten und Kulturpolitik der Nachkriegszeit in London und Stockholm. Die Frau verknüpfte treffsicher den Buchtitel mit dem Berliner Kulturforum und beides mit der Begeisterung und der Nostalgie für die Kulturbauten Westberlins, einem Epizentrum des Kalten Krieges. Emphase und Verklärung sind in einer Gegenwart mit chronisch knappen Stadtkassen durchaus verständlich. Aber inwieweit konnten die Bauten der Nachkriegszeit tatsächlich dem Anspruch gerecht werden, einer neuen egalitären Gesellschaft neue Handlungsräume anzubieten? Diese Frage ist auch das Leitmotiv zweier weiterer jüngst erschienener Publikationen: Holidays after the Fall betrachtet die Ferienarchitekturen Bulgariens und Kroatiens von der Planung in der Nachkriegszeit bis zur Nutzung in der Gegenwart; Architecture and the Welfare State befasst sich mit dem Wohnungs- und Städtebau der Wohlfahrtsstaaten Nord- und Mitteleuropas inklusive seiner kolonialen und postkolonialen Variationen in Nord- und Zentralafrika, Hongkong oder Singapur.

Der Vergleich der Themen dieser drei Bücher – Ferienarchitekturen, Kulturpaläste und Massenwohnungsbau – eröffnet mehrere Zugänge zur Kultur- und Gesellschaftspolitik der Nachkriegszeit. ...

 

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!