ARCH+ 161


Erschienen in ARCH+ 161,
Seite(n) 84-87

ARCH+ 161

Mies´preußische Gefangenschaft

Von Georgiadis, Sokratis

Als im Juni 2001 die beiden New Yorker Mies-Ausstellungen "Mies in Berlin" (Museum of Modern Art, 21.6.-11.9.2001) und "Mies in America" (Whitney Museum of American Art, 21.6.-23.9.2001) eröffnet wurden, machte im deutschen Feuilleton eine Frage die Runden: "Warum eigentlich diese beiden Ehrungen?" (so Christian Thomas in der Frankfurter Rundschau vom 30.6.2001) oder, nur geringfügig anders: "Braucht Mies wirklich soviel Zuwendung in einer Stadt, die ihm über die Jahre geradezu exzessiv Tribut gezollt hat?" (so Vera Graaf in der Zeitung Die Zeit [29/2001] mit dem Nachtrag, daß eigentlich "Mies für die Ausstellungsoffensive (…) die falsche Wahl" sei). Angesichts des zuweilen begeisterten Lobs, das den beiden Ausstellungen sonst zuteil wurde, schien die Frage etwas müßig, sie war womöglich ein Reflex aus den achtziger Jahren, in denen der sich in rascher Folge jährenden hundertsten Geburtstage der Großmeister der Moderne in geradezu verschwenderischer Weise gedacht wurde. Nein, es bedarf keines runden Datums, keines Jubiläums, um eine Mies van der Rohe-Retrospektive zu organisieren. Die Unruhe der Kommentatoren war dennoch in einer gewissen Hinsicht berechtigt. Denn nicht sie stellten zuerst die Frage nach der Angemessenheit der Doppelschau, sondern deren Organisatoren selbst. So schreiben Terence Riley und Barry Bergdoll als Herausgeber des "Berliner" Katalogbuches, daß ein wesentlicher Aspekt, der sie zur Ausstellung bewogen hat, die schöpferische Neubeschäftigung der Architektur in den letzten fünfzehn Jahren mit verschiedenen von Mies aufgeworfenen Fragen sei...

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