ARCH+ 168


Erschienen in ARCH+ 168,
Seite(n) 68-69

ARCH+ 168

Museum für buddhistische Skulpturen

Von Liu, Jiakun

Ort: Xinmin, Chengdu, Provinz Sichuan Architekt: LIU Jiakun Mitarbeit: WANG Lun Statik: ZHAO Xiangrui Generalunternehmer: ZHAO Da-Ying Construction Ltd of Sichuan Entwurf: Februar – Juni 2001 Fertigstellung: Juni – Juli 2001

Das Museum für buddhistische Skulpturen befindet sich außerhalb der Stadt Chengdu inmitten eines Wildwuchses der Uferzone des örtlichen Flusses. Die Sammlung umfaßt Kunstwerke, die die Geschichte der buddhistischen Missionierung Chinas zum Gegenstand hat. Das Programm des Museums ist in vier unterschiedlichen Abschnitten untergebracht: Die Hauptausstellungsfläche ist auf dem größten, offenen Teil des Grundstücks angeordnet, die übrigen drei Teile beherbergen den Eingangsbereich mit Parkmöglichkeiten, den offenen Ausstellungs- und Vorbereitungsbereich sowie Nebenräume. Bäume unterteilen die verschiedenen Bereiche auf natürliche Weise; sie dienen ebenso der kalkulierten Inszenierung der Annäherung an das Gebäude: Der Weg wird stetig vom Grund abgehoben. Der Besucher wird so immer weiter entrückt. Dramatisch erhebt sich am Ende des Weges eine Rampe, die mitten durch einen Bambushain und zwei Trauerweiden auf den Eingang im ersten OG zuführt. Die Rampe überquert dabei einen Lotusteich, ein eingängiges religiöses Symbol der Reinigung und Läuterung im Buddhismus.

Die innere Wegeführung kehrt den sonst gewohnten Weg von unten nach oben um: In den ebenerdigen Hauptausstellungsbereich gelangt der Besucher vom Eingangsgeschoß im ersten OG über eine steile und düster gehaltene Treppe – der Effekt des Hinabsteigens in einen unterirdischen Raum wird so evoziert, anstatt den Bau tatsächlich aufwendig und kostspielig einzugraben. Die Ausstellungsräume sind um ein zweigeschossiges Atrium herum organisiert. Um den Eindruck zu vermitteln, daß der Außenraum sich im Inneren fortsetzt, sind Wände und Bodenbeläge im gleichen Material ausgeführt. Schmale Schlitze gewähren Ausblicke und binden die skulpturale Präsenz der Architektur in die Umgebung ein. Die heterogene Sammlung verlangt differenzierte Belichtungsmöglichkeiten mit natürlichem Tageslicht: Je nach Ausstellungsobjekt bieten die Räume Seiten-, Ober- oder indirektes Licht. In bewußter Entgegnung auf das zentrale Motiv der Sammlung, Skulpturen aus bearbeitetem Naturstein, wurde der ‘künstliche Stein’ zum Thema des architektonischen Entwurfs gemacht. Roh belassener Sichtbeton wird zum Träger des Einfachen, Integren. Neben dem beton brut finden sich auch steinmetzmäßige Bearbeitungsspuren. Für die chinesische Bauindustrie ist beton brut eine ungewohnte, aufwendige Technik. Hier wurde eine Mischtechnik verwendet, um die Fehlerquellen zu minimieren sowie die lokalen Bauarbeiter nicht zu überfordern und dennoch die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Da in China Werkplanung und Detaillierung ungenügend sind, ist es unvermeidlich, nachträgliche Änderungen vorzunehmen: für Leitungen, Installationen, Befestigungsvorrichtungen etc. werden fertiggestellte Wände und Böden aufgestemmt – was für Sichtbetonoberflächen untragbar ist. Diese Gewohnheit vorwegnehmend wird die Wand mehrschichtig aufgebaut, womit mehrere Probleme zugleich gelöst werden können. Die innere Schicht wird herkömmlich aus Ziegel aufgebaut. Diese Technik kann auch von lokalen Bauarbeitern ohne Spezialkenntnisse präzise ausgeführt werden. Die Ziegelwand dient gleichzeitig als verlorene Schalung für die äußere Sichtbetonschicht. Nachträgliche Bearbeitungen der inneren Schale wie oben beschrieben können bedenkenlos durchgeführt werden. Weitere Effekte dieser preiswerten Methode sind bessere thermische und bauphysikalische Eigenschaften des Gebäudes in dem feucht-heißen Klima.

Um eine expressive Oberflächenstruktur zu erhalten und zugleich unsaubere Betonarbeiten zu kaschieren, wurde eine unregelmäßige, aus schmalen Streifen zusammengesetzte Schalung gewählt. Hier wiederum wurden die beschränkten Möglichkeiten und Fähigkeiten der lokalen Handwerker im Entwurf mit bedacht und in eine positive, gewünschte Wirkung übersetzt.  

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