ARCH+ 224


Erschienen in ARCH+ 224,
Seite(n) 16-19

ARCH+ 224

Freiheit und Autonomie

Von Ursprung, Philip

Die Klage der Architekten über stetig zunehmende Ein­schränkungen durch neue Vorschriften, Normen und Standards ist zweifellos gerechtfertigt. Trotzdem erinnert sie mich daran, wie wir uns als Bürger heutiger Demo­ kratien über die ausufernde Bürokratie beschweren, über das immer komplizierter werdende Labyrinth aus Vorschriften und die langwierigen Prozesse der Entschei­ dungsfindung. Und es erinnert mich daran, wie Wissen­ schaftler – darunter auch ich – die Ökonomisierung des Hochschulwesens samt der Unmenge von Verordnungen und unnachvollziehbar sich verändernden Regeln kriti­ sieren. Vereinfacht gesagt, ist es eine Kritik an der Begren­ zung unserer individuellen Freiheit durch ein System, das genau durch diejenigen, die es kritisieren, am Leben erhalten wird. Es ist eine Kritik an den strukturellen Mängeln, die gleichwohl nicht darauf abzielt, das System als solches zu verändern.

Könnte es sein, dass die Klagen über die Einschränkung unserer Freiheit in Wirklichkeit von etwas anderem ablenken, das wir ungern zugeben möchten, an das wir uns jedoch gewöhnt haben und das wir sogar ganz bequem finden – nämlich von der Tatsache, dass wir unsere Freiheit delegieren?  ...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!