ARCH+ 224


Erschienen in ARCH+ 224,
Seite(n) 52-59

ARCH+ 224

Raumtransparenzen

Von Sander, Karin /  von Rosen, Nikolai /  Grüninger, Adi /  Banz, Jonathan

Während in den kartografischen Online-Diensten das Projekt der vollständigen Abbildung der Welt in stets höherer Auflösung voranschreitet und die fahrenden Kamera-Scanner nur noch vereinzelt auf Verpixelungsmauern zum Schutz bürgerlicher Privatheitsrechte prallen, schien die Darstellung von Innenräumen zuletzt einigermaßen unterreflektiert auf der Stelle zu treten. Zwar sind animierte 3D-Simulationen in der Bau- und Ausstattungsplanung weithin durchgesetzt, was jedoch fast völlig fehlt ist eine präzise, brauchbare und zugleich ästhetisch überzeugende Form der dreidimensionalen Abbildung bereits existierender Innenräume. Hatte nicht schon Walter Benjamin in seinem Passagen-Werk davon gesprochen, die für seine Epoche signifikanten bürgerlichen Interieurs glichen Fotostudios – sie seien schon von ihrer Anlage her zu requisitengefüllten Bildfabriken geworden? Wir erleben gerade, wie sich die Vorstellungen von Innenräumen auf neue virtuellvisuelle Paradigmen hin orientiert.

An der Professur für Architektur und Kunst der ETH Zürich entwickeln wir experimentell Methoden, mit denen Räume dreidimensional – als Bild und als modellhaftes Objekt – wiedergegeben werden können. Neuerungen im Abbilden sind uns dabei ebenso wichtig wie neuartige Formen der Darstellung. Die Technologien des Raumscannens und des farbigen 3D-Drucks werden dabei kombiniert. Der Scanner vermisst den Raumkörper und erstellt in einem separaten Arbeitsgang zweidimensionale fotografische Bilder. Die beiden grundverschiedenen Bildinformationen werden erst im Anschluss in Beziehung gesetzt. Es entsteht eine Datei aus Punkten, bei der jeder Punkt eine Raumkoordinate, einen Farbwert und diverse im Hintergrund verbleibende Metadaten enthält. Sie zeigt die zu einem spezifischen Raum gehörigen Informationen in allen drei Dimensionen und mit allen wahrnehmbaren Lichtwerten. Für die Darstellung werden die Daten so umgewandelt, dass sie als dreidimensionale farbige Gipskörper im verkleinerten Maßstab ausgedruckt werden können. Auf den folgenden Seiten stellen wir drei Projekte vor und zeigen jeweils die Stadien der Herstellung: die Punktwolke, die Druckdatei und die farbigen Gipsdrucke.

Eines unserer wichtigsten Experimente der letzten Zeit hatte einen naheliegenden Anlass: als wir dem Büro unseres Kollegen Christian Kerez einen Besuch abstatteten, standen dort drei raumhohe Zylinder – Modellräume für ein zukünftiges Gebäude. Die Situation lud uns ein, an ihr unsere Idee einer dreidimensionalen Innenraumfotografie zu testen. Schon wenig später konnten wir uns gemeinsam über das farbig und dreidimensional ausgedruckte Ergebnis beugen – bei dem erstmals beide Verfahren erfolgreich zusammengeführt waren. Als nächstes machten wir uns über den in unserem Universitätsgebäude befindlichen Lift her. ...

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