ARCH+ 226

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Erschienen in ARCH+ 226,
Seite(n) 68-73

ARCH+ 226

H&P Architects: Blooming Bamboo Home – Tổ ấm nở hoa

Von H&P Architects /  Gruber, Tobias

Dass Architekten mit dem Entwurf temporärer, aus einfachsten lokal verfügbaren Materialien erstellten Notbauten einen wertvollen Beitrag zur Lösung von Krisensituationen leisten können, bewies der Architekt Shigeru Ban bereits 1995 mit seinem Paper Log House. Nach verheerenden Erdbeben, die viele Häuser zerstörten, boten diese Notunterkünfte den Menschen nicht nur im japanischen Kobe, sondern auch im indischen Bundesstaat Gujarat nach kürzester Bauzeit ein Obdach und trugen auf diese Weise dazu bei, das Überleben der Betroffenen sicherzustellen.

Da auch Vietnam immer wieder von Stürmen und Überschwemmungen heimgesucht wird, die die Bevölkerung in existenzielle Gefahr bringen, konzipierten H&P Architekten das Blooming Bamboo Home als einfache Unterkunft, die Fluten mit einem Hochwasserpegel von bis zu eineinhalb Metern trotzen soll. Die zweigeschossige, modular konzipierte und aufgeständerte Hütte soll in einer überarbeiteten Version sogar Überschwemmungen standhalten, deren Pegelmarken sich auf das Doppelte belaufen. Die Aufständerung erlaubt zudem das Halten von Tieren unter dem Haus.

Als Baumaterial dienen Bambusrohre mit Durchmessern von 4 bis 5 und 8 bis 10 Zen ti me ter, und Längen von 3,3 bis 6,6 Meter. Die größeren Hölzer kommen für den konstruktiven Rahmen zum Einsatz, der mittels Stahlzügen und -anker fixiert wird, während die kleineren Stäbe für den Wandaufbau verwendet werden. Abhängig von den klimatischen Gegebenheiten und der Verfügbarkeit der Materialien können dabei zusätzlich Bambusgeflechte, andere Hölzer oder Kokosblätter zum Einsatz kommen. Die Beschränkung auf lokale Materialien und traditionelle Techniken befähigt die Bewohner, ihr eigenes Bamboo Home ebenso kostengünstig wie zügig im Selbstbau zu errichten. Die modulare Struktur macht zudem eine Erweiterung und Adaptierung für unterschiedlichste Nutzungen möglich.

Jedes der im Grundriss quadratischen Module öffnet sich im Erdgeschoss zu einer kleinen Terrasse, die dem Aufenthalt im Freien dient. Das Obergeschoss hingegen ist dem Rückzug und dem Gebet vorbehalten. Hier lässt sich das Dach nicht nur zum Zweck der Belichtung öffnen, sondern die dreieckigen Dachluken sorgen durch den Kamineffekt zugleich für eine natürliche Belüftung. An der Fassade angebrachte Pflanzentröge aus halbierten Bambussegmenten erlauben eine vertikale Bepflanzung, die dem Projekt den Namen verleiht.

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Projekt: Prototyp für überschwemmungsgefährdete Gebiete

Architektur: H&P Architects

Team: ĐOÀN Thanh Hà, TRẦN Ngọc Phương mit CHỬ Kim Thịnh, Patricia Erimescu, NGUYỄN Văn Mạnh, NGUYỄN Quỳnh Trang, TRẦN Quốc Thắng, PHẠM Hồng Sơn, HOÀNG Đình Toàn, PHẠM Quang Thắng, NGUYỄN Hải Huệ, NGUYỄN Khắc Phước

Ort: Bezirk Từ Liêm, Hanoi

Fertigstellung: 2013

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