ARCH+ 228


Erschienen in ARCH+ 228,
Seite(n) 64-67

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Mao Zedong und das ländliche China

Von Dikötter, Frank

Beginnen möchte ich mit einem Geständnis: Ich bin kein Architekt. Und als ob das nicht schon genügte, weiß ich auch nicht besonders viel über das Land. Das soll nicht heißen, dass ich nicht auf dem Lande gelebt habe. Als kleiner Junge wohnte ich in Holland in einem Dorf mit etwa 120 Haushalten. Aber zeit meines Lebens lernte ich nie einen richtigen Bauern kennen. Damals sah ich gelegentlich einen Traktor auf den Feldern am Rande des Dorfes, mehr nicht. Um das Dorf zog sich ein riesiger Industriekomplex namens De Nederlandse Staatsmijnen, mit eleganten Kühltürmen und riesigen Schlackehalden.

Wenn ich als kleiner Junge nachts aus meinem Fenster blickte, lag dort eine ausgedehnte petrochemische Fabrikanlage, deren Lichter die ganze Nacht hindurch flackerten. Sie waren es, die meine Fantasie angeregten, nicht Kühe oder Kohlköpfe. Als ich 12 Jahre alt war, zog meine Familie in die Schweiz, hier lebte ich in idyllischer ländlicher Umgebung, inmitten von üppigen Weinbergen. Mein Bruder und ich klauten Kirschen und Äpfel, so wie es alle Kinder tun.

Die Vorstellung vom ländlichen Raum als Ort der Schönheit hat sich in mir fest eingebrannt: „Land = gut“. Als ich 1985 als Student nach China ging, merkte ich jedoch schnell, dass die Gleichung hier etwas anders lautete. 

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