ARCH+ 228


Erschienen in ARCH+ 228,
Seite(n) 92-99

ARCH+ 228

Die Moderne auf dem Acker

Von Oswalt, Philipp

Selbstfahrende Kraftwagen, Produktionssteuerung über Satelliten, Genetic Engineering, implantierte Transponder, Mass Customization, Roboter, Drohnen und vieles mehr: Was in Städten zum Inventar aktueller Zukunftsszenarien gehört, ist auf dem Land schon seit Jahren Alltag. In mancher Hinsicht ist das Land moderner als die Stadt. Diese Fortschrittlichkeit des Landes widerspricht dem seit dem 19. Jahrhundert gepflegten Bild eines traditionellen und lokal verankerten Lebens auf dem Lande, das den Gegenpol zur in den Städten verorteten zukunftsträchtigen Industrialisierung bildet.

Ob Lebensreformer und Kulturpessimisten am Anfang des 20. Jahrhunderts, die Ökologiebewegung der 1970er-Jahre oder die heutigen gesundheits- und nachhaltigkeitsorientierten LOHAS-Konsumenten – sie alle stilisierten das Landleben als eine heile Welt, die durch die von der Stadt ausgehende Modernisierung bedroht ist.

Ein solches Bild verkennt den grundlegenden Fakt, dass die Stadt selbst bei ihrer Entstehung vor 7.000 Jahren aus der Landwirtschaft hervorging und beide seither ein Zivilisationssystem bilden. Stadt und Land sind keine Antagonisten, sondern komplementäre Pole. Und so ist es wenig überraschend, dass zentrale Modernisierungsimpulse vom Land ausgingen – und das nicht erst heute. Dafür muss man gar nicht zurückgehen bis zur neolithischen Revolution.

Auch die Anfänge der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert lagen eher auf dem Land als in Städten. 

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