ARCH+ 228


Erschienen in ARCH+ 228,
Seite(n) 142-147

ARCH+ 228

Der Petersberg – ein Stadtland-Periskop

Von Börsch, Paul

Der Petersberg in Erfurt ist ein Ort, an dem sich einprägsam wie selten die Geschichte von der Zusammengehörigkeit und dem Auseinanderfallen von Stadt und Land, vom Erstrahlen und vom Erlöschen der Mitte, von der Loslösung des Landes und der Wiedereinstellung der Gravitationslinien Thüringens erzählen lässt. Er stellt unter Beweis, dass beide, Stadt und Land, auf lange Sicht nicht ohne einander gedacht werden können.

Von hier sieht man bis zum Inselsberg im Thüringer Wald, zum Ettersberg mit dem Buchenwald-Mahnmal, zur Hainleite, zum Kyffhäuser und zum Harzvorland. Diese Höhen erlauben wie Seezeichen die Selbsteinordnung der Stadt in das Koordinatensystem der Kulturlandschaft Thüringens. Doch hier lässt sich auch die Geschichte erzählen von der verloren gegangenen räumlichen und politischen Verankerung Erfurts in Thüringen, von der Fremdheit der alten Hauptstadt im eigenen Land. Sie erklärt in gewisser Weise die spezielle Thüringer Kleinstaaterei, fast ein Synonym für reichhaltige Kulturlandschaft, und zugleich von weltfremdem Rückzug ins Beschauliche. Schließlich unterstreicht sie eine aktuelle städtische wie landespolitische Aufgabe zur Rückgewinnung des Petersberges in das öffentliche Bewusstsein und Raumsystem des Landes.

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