ARCH+ 228


Erschienen in ARCH+ 228,
Seite(n) 182-187

ARCH+ 228

Eiermannbau Apolda – Placemaking in der Provinz

Von Fischer, Katja

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges entstand mitten in der Thüringer Provinz eine Ikone der Industriemoderne – der Eiermannbau in Apolda. Die ursprünglich vom Apoldaer Architekten Hermann Schneider 1906/07 errichtete Web-, Wirkund Strickwarenfabrik wurde 1938/39 nach den Plänen des damals noch unbekannten Architekten Egon Eiermann als Feuerlöschgerätewerk für die Total KG behutsam weitergebaut (Abb. 1). Mit dem Umzug der Total-Werke von Berlin-Charlottenburg nach Apolda und dem modernen Umbau des Bestandes zog ein neuer, progressiver Geist in die prosperierende Industriestadt mit damals 30.000 Einwohnern. Über die nächsten 50 Jahre wurden an diesem Standort Feuerlöschgeräte und -anlagen hergestellt, deren Produktion jedoch nach der Wende im Jahr 1994 eingestellt wurde. Damit verloren nicht nur 700 Menschen ihre Arbeit, auch das Gebäude verlor seine Nutzung und seit nunmehr bereits über 20 Jahren steht es leer.

Nur dem engagierten Einsatz von Bürgern der Stadt ist es zu verdanken, dass der Eiermannbau heute überhaupt noch existiert: Der 1999 gegründete Verein Freunde des Eiermann-Baus Apolda konnte den zunehmenden Verfall des denkmalgeschützten Fabrikbaus durch jahrelangen Leerstand aufhalten, ehe der heutige Eigentümer, die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (GESA), im Jahr 2010 bis 2011 eine grundständige Sanierung durchführte.

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