ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 206-211

ARCH+ 229

Das FAR Game

Von Kim, Sung Hong

Alejandro Aravena forderte zur Architekturbiennale 2016 „Frontberichte“ von den Kämpfen ein, die die Architektur derzeit austrägt. Der südkoreanische Beitrag zeigte eine Frontlinie auf, die mitten durch die Hauptstadt Seoul verläuft. Hier agieren Architekten nicht mit dem vermeintlichen Weitblick eines Feldmarschalls, sondern müssen oft eher wie Fußsoldaten vorgehen. Sie arbeiten unter dem ständigen Druck zweier gegensätzlicher Zwänge: Der eine entspringt der extremen Bevölkerungsdichte Seouls; in der Metropolregion, die 12 Prozent der Landfläche Südkoreas einnimmt, lebt fast die Hälfte aller Koreaner. Aufgrund der extrem hohen Grundstückspreise sind die Architekten angehalten, die nutzbare Fläche für die Bauherren zu maximieren. Der andere Zwang ist eine Bauordnung, deren ebenso strenge wie starre Vorschriften der Verwaltung keinen Verhandlungsspielraum lassen.

Die Arbeit koreanischer Architekten gleicht daher einem Drahtseilakt. Ihre Bemühungen, gleichwohl ein Optimum zu erreichen, werden hier als das FAR Game bezeichnet. FAR ist die Abkürzung für floor area ratio. Dies entspricht der Geschossflächenzahl (GFZ), die sich aus dem Verhältnis der Gesamt-Geschossfläche aller Vollgeschosse der baulichen Anlagen zur Fläche des Baugrundstücks ergibt. Je größer die Grundstücks­ausnutzung, desto höher die Zahl.

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Art: Ausstellungsprojekt Kuratorisches Team: Sung Hong Kim, Eungee Cinn, Keehyun Ahn, Seungbum Kim, Isak Chung, Da Eun Jeong und Richard Enos Ort: Architekturbiennale Venedig, Koreanischer Pavillon Jahr: 2016

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