ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 42-47

ARCH+ 230

Das Klima der Geschichte: Vier Thesen.[1]

Von Chakrabarty, Dipesh

Die Anfänge der wissenschaftlichen Erforschung der Erderwärmung werden oft in den Entdeckungen des schwedischen Forschers Svante Arrhenius in den späten 1890er-Jahren gesehen, doch die öffentliche Diskussion der globalen Erwärmung begann erst in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren, im selben Zeitabschnitt, in dem Geistes- und Sozialwissenschaftler anfingen, über Globalisierung zu diskutieren.2 Allerdings werden diese Diskussionen bislang parallel zueinander geführt. Während die Globalisierung, einmal erkannt, von unmittelbarem Interesse für Geistes- und Sozialwissenschaftler war, wurde die Erderwärmung trotz einer beträchtlichen Anzahl von Buchveröffentlichungen in den 1990er-Jahren, erst nach dem Jahr 2000 in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.

Während die Krise in den vergangenen Jahren an Dramatik gewann, wurde mir klar, dass meine langjährige Beschäftigung mit Theorien der Globalisierung, marxistischen Analysen des Kapitals, Subaltern Studies und postkolonialer Kritik in den vergangenen 25 Jahren, die beim Studium der Globalisierung eine enorme Hilfe gewesen war, mich nicht dazu befähigte, mir ein klares Bild von der planetaren Problemlage zu machen, in der sich die Menschheit heute befindet. Wenn Globalisierung und globale Erwärmung tatsächlich aus sich überschneidenden Prozessen geboren sind, stellt sich die Frage, wie wir sie in unserem Verständnis der Welt zusammenführen können.

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