ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 48-55

ARCH+ 230

Die Souveränität der Archipele – Eine Neukartierung des pazifischen Migrationsraums

Von Yarina, Elizabeth

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich den Pazifik vor. Sehen Sie eine endlos ausgedehnte Fläche Wasser und Wellen? Einen riesigen leeren Raum mit einigen tropischen Inseln, Sandstränden und Palmen, die sich inmitten der blaugrünen Weite wiegen? Vielleicht haben aber auch Medienberichte über den Klimawandel Ihre Einbildungskraft beeinflusst, sodass Sie sich eher ‚versinkende Inseln‘ und die ersten Opfer des steigenden Meeresspiegels vorstellen, die, ihre Habseligkeiten auf dem Kopf, durch das Salzwasser waten. Zweifellos ist der Pazifik ziemlich viel Ozean – der größte unseres Planeten –, doch zugleich ist er die Heimat höchst vielfältiger und miteinander verbundener Gesellschaften, Geografien und Ökologien. Lange schon stellen ozeanische Autoren einseitige Vorstellungen über den pazifischen Raum in Frage. Insbesondere der ton-ga-ische/fidschianische Autor und Anthropologe Epeli Hau’ofa hat den Pazifik als ‚Meer der Inseln‘ begrifflich neu gefasst und das Narrativ der ‚Inselchen‘ als (post)koloniales Kon-strukt hinterfragt: "Der Imperialismus des 19. Jahrhunderts errichtete Grenzen, die zur begrifflichen Schrumpfung Ozeaniens führten und eine ehedem grenzenlose Welt in die pazifischen Inselstaaten und -territorien verwandelten, die wir heute kennen. Die Menschen wurden in ihre winzigen Räume eingesperrt und voneinander isoliert. Sie waren nicht länger frei zu reisen, wie sie es Jahr-hunderte lang getan hatten. Sie wurden von ihren Verwandten in anderen Ländern abgeschnitten, von ihren weit verstreuten Quellen des Wohlstands und des kulturellen Reichtums."

Paternalistische europäische Forschungsreisende, Missionare und Kolonisatoren versuchten mit ein paar in Karten eingezeichneten Linien eine sich seit jeher im steten Austausch befindliche Region, die durch Mobilität und Migration vereint war, in abgegrenztenTerritorien zu fixieren. Mein Projekt reagiert darauf mit einer Neukartierung des Pazifik, um eine Region zu identifizieren, die durch Ströme, Migrationen und inhärente Nicht-Fixiertheit vereint ist.

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