ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 90-97

ARCH+ 230

Vom vernakulären zum informellen Bauen

Von Roesler, Sascha

Lag die Hauptmotivation der auf Vernakuläres ausgerichteten vergleichenden Architekturforschung im Aufspüren einer unbeachteten symbolischen Dimension der Architektur, so zeigen sich die Architekten eines am Informellen orientierten Bauens pragmatischer, man könnte auch sagen: handlungsorientierter. Der Bedeutungsverlust der Bauweisen, wie er im Diskurs zum ‚informellen Bauen‘ beziehungsweise ‚Selbstbau‘ in den 1970er- und 80er-Jahren Thematisierung findet, steht konträr zum emphatisch hervorgehobenen Bedeutungsüberschuss vernakulärer Technologien. Die Problematisierung des Bedeutungsverlusts verlängert diesen Diskurs der Bedeutungen, wie er mit Blick auf den außereuropäischen Hausbau geführt wird, bis in die Gegenwart.

Das dreigliedrige semiotische Modell, welches sich mit der Erforschung des vernakulären Bauens durch die Unterscheidung in Artefakt, Umwelt und Interpret(en) etabliert hat, beruhte auf der grundlegenden Annahme der Geschlossenheit dieses dreigliedrigen Systems. Die Interpretationsmöglichkeiten sind innerhalb dieses geschlossenen Systems mit einem koordinierten Weltbezug nicht offen und beliebig, sondern begrenzt und stabil.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!