ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 102-107

ARCH+ 230

Lokale Artefakte, globale Archetypen – Notizen zur Nutzung des Betons in der griechischen Moderne

Von Magouliotis, Nikos

Léon Kriers „Die 6. Säulenordnung  oder das Ende der Architektur“

1977 bereiste Léon Krier mit seinem Freund Demetri Porphyrios die Peloponnes im Süden des griechischen Festlands. Zu jener Zeit waren die beiden, die sich später als Architekten und Theoretiker international etablieren sollten, um die 30 Jahre alt und kannten sich aus ihrer Zeit als Tutoren an der Architectural Association in London. Krier hielt sich in Griechenland auf, weil er an einem Wettbewerb zur Gestaltung eines öffentlichen Parks an einem Autobahnkreuz in Piräus, westlich von Athen, teilnahm. Es ist anzunehmen, dass die beiden künftigen Verfechter eines Neuen Klassizismus bei ihrem Besuch der Peloponnes nach einer Bestätigung des romantischen europäischen Mythos von Arkadien suchten, welcher angeblich in dieser Gegend seinen Ursprung hat. Doch die unberührte ländliche Idylle war nirgends zu finden, denn in den Nachkriegsjahren hatte in Griechenland die vernakuläre Architektur auf dem Land die herkömmliche Definition des ‚Traditionellen‘ hinter sich gelassen.

Voller Enttäuschung über das Verschwinden dieser einst vor-modernen provinziellen Landschaft und ihre vollständige Durchdringung mit industriellen Strukturen verließen Krier und Porphyrios die Halbinsel und begaben sich auf die abgeschiedene Insel Patmos in der südöstlichen Ägäis. Ihre Unterkunft war eine malerische Fischerhütte in der unberührten kleinen Bucht von Grikos (vermutlich eine der wenigen, auf die die Begriffe des Malerischen und Unberührten damals noch zutrafen).

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