ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 184-189

ARCH+ 230

Die normale Katastrophe – Risiko-Outsourcing im Lieferketten-Kapitalismus

Von Tsing, Anna Lowenhaupt

Wir werden die Geister, die wir riefen, nicht mehr los. Mehrere Jahrhunderte der kalkulierten und unkalkulierten Umweltzerstörung fordern nun ihren Tribut. Und plötzlich dämmert uns, dass wir als Spezies das Leben auf dem gesamten Planeten bedrohen. Können nur Bakterien unserer Zerstörungskraft widerstehen? Ob wir ein solches Horrorszenario abwenden können, bleibt bis auf Weiteres ungewiss. Trotzdem ist die gewöhnliche Reaktion nach wie vor: „Schaff mir diese Probleme aus dem Weg, woanders hin damit!“

Wie konnte es soweit kommen? In seinem grundlegenden Buch Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne aus dem Jahr 1986 erzählt der Soziologe Ulrich Beck die Geschichte der Moderne anhand der Konflikte um technisch-industriell erzeugte Nebenfolgen. Beck stellt anhand dieser Konflikte einen soziologischen Bruch innerhalb der Moderne fest. Die im Folgenden angestrebte Untersuchung des Risikomanagements fokussiert sich auf die geografische Umverteilung ökologischer Schadstoffe. Negative Umweltfolgen entstehen so im Zweifelsfall anderswo – nicht in der Welt der Risikomanager. Risikomanagement steht für eine strukturell forcierte globale Ungleichheit. Outsourcing von Risiken findet in der Wirtschaft universelle Anwendung, steht aber auch zunehmend in der Kritik.

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