ARCH+ 230


Erschienen in ARCH+ 230,
Seite(n) 190-195

ARCH+ 230

Der Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch

Von Hagemann, Anke /  Beyer, Elke

Am 24. April 2013 stürzte das neungeschossige Rana Plaza-Gebäude nahe Dhaka ein und begrub Tausende von Fabrikarbeiter_innen unter seinen Trümmern. Bei den Bergungsarbeiten wurden die Kleideretiketten internationaler Marken wie Benetton, Mango, Primark oder Walmart im Gebäudeschutt gefunden und als Beweis dafür herangezogen, in wessen Auftrag hier genäht worden war. Der Zusammenhang zwischen der Kleidung, die wir tragen, und der versagenden Tragstruktur eines Gewerbebaus in Bangladesch war nun nicht mehr zu leugnen. Unzählige Presseberichte darüber führten der Weltöffentlichkeit mit beispielloser Deutlichkeit vor Augen, unter welch schlechten Bedingungen die Bekleidungsindustrie in Ländern des Globalen Südens produzieren lässt.

Der Gebäudeeinsturz war eine nach Ansicht vieler Expert_innen vorhersehbare, auf verschiedenen Ebenen strukturell bedingte Katastrophe. Er ist nicht nur eine Manifestation der Ungleichheit und Ausbeutung, auf der das heutige globale Wirtschaftssystem beruht, sondern zeigt auch, wie sich weltweite Produktionsbeziehungen in der lokalen gebauten Umwelt artikulieren. So wirft dieser Fall auch die Frage nach der Verantwortung global agierender Unternehmen und der Konsument_innen für die baulichen Bedingungen der Produktion auf.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!