ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 8-13

ARCH+ 231

Bildessay: Prospect

Von Brisolla, Anina /  Kage, Jan

Was macht der Mensch, wenn er diese Welt zerstört hat? Er fliegt zum nächsten Planeten und kolonisiert ihn. Und was macht er dort als erstes? Er steckt Terrain ab, zieht Zäune, nimmt in Besitz. So ungefähr könnte man das Narrativ von Anina Brisollas Werkserie prospect beschreiben. 

Grundlage ihrer Zeichnungen sind mit einer Simulationssoftware generierte Bilder von Galaxien, Sternen und Planeten. Auch bei der NASA wird die Künstlerin fündig. Die amerikanische Raumfahrtagentur versorgt die Öffentlichkeit regelmäßig mit beeindruckend schönen Bildern anderer Welten. Dass es sich dabei um Interpretationen von rohem Datenmaterial handelt, das von Satelliten zur Erde gesendet wird, ist den wenigsten bewusst. Die NASA beschäftigt zu diesem Zweck Illustratoren und Künstler, die nichts anderes tun als geradezu kitschig-schwelgerische Bilder zu produzieren. Diese Reklamebilder erinnern an die ansprechenden Visualisierungen in den Verkaufsprospekten von Immobilienentwicklern, die damit Kunden für noch nicht realisierte Bauvorhaben werben.

Auf diese Projektionen zeichnet Anina Brisolla subtil ihre Zäune, die wiederum auf recherchierten Bildvorlagen basieren. Die Arbeiten setzen sich mit den Hoffnungen und Träumen der Menschen im Zeitalter des Anthropozän auseinander, das – geprägt von Untergangsvisionen und Dystopien – Traumbilder produziert, die als Erlösungsfantasien gelesen werden müssen. Dass diese Vorstellungen dabei Altbekanntes reproduzieren und selbst Illusion sind, wird in der Serie der Berliner Künstlerin verhandelt.

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