ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 32-39

ARCH+ 231

Kapital Heim

Von Trapp, Harald

Im ursprünglichen Haus, im oikos, wie die Griechen es nannten, sind Produk-tion und Reproduktion zusammengefasst. Während oikos – aus dem sich etymologisch die Ökonomie ableitet – sowohl das Haus als auch den Hausherr, seine Familie, die Sklaven, ihre Tätigkeiten und alles Gut des Haushalts meinte, wurde der zweite griechische Begriff für Haus, domos, auch als Verb gebraucht. Er stand für die Unterweisung der Ehefrau, das Anlernen eines Sklaven, die Disziplinierung von Kindern und sogar für das Training des eigenen Körpers. Mark Cousins sieht damit die Natur der Domestizierung anschaulich beschrieben. Domos sei ein Ort der Herrschaft und es sei deshalb wahrscheinlich, dass komplementär dazu der Begriff des Heims, des Zuhauses, entsteht. Das Haus hat also von Beginn an einen doppelten Charakter: Als Urzelle der Ökonomie und Verortung von Identität, als Haushalt und als Zuhause beziehungsweise Heim. Nach Heidegger ist das Wohnen unser In-der-Welt-Sein, es produziert räumlich wie psychisch das Innerste, das Intime: „Die Art, wie du bist und ich bin, die Weise, nach der wir Menschen auf der Erde sind, ist das Buan, das Wohnen. Mensch sein heißt: als Sterblicher auf der Erde sein, heißt: wohnen.“

Nicht zuletzt aus dieser fundamentalen Bedeutung leiten auch die Vereinten Nationen ihre Forderung nach einem Recht auf angemessene Behausung ab: „Housing is the basis of stability and security for an individual or family. The centre of our social, emotional and sometimes economic lives, a home should be a sanctuary; a place to live in peace, security and dignity. Increasingly viewed as a commodity, housing is most importantly a human right.“

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