ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 60-63

ARCH+ 231

Für eine neue Bodenordnung

Von Dransfeld, Egbert /  Brandlhuber, Arno

Arno Brandlhuber: Warum sind Bodenfrage und Bodenpolitik für die Wohnungsfrage so maßgeblich?
 
Egbert Dransfeld: Der Befund ist eigentlich klar: kein Wohnraum ohne Grundstücke. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, dass große Teile der Gesellschaft – ob Politik, Fachleute oder Zivilgesellschaft insgesamt – die Themen Bodenpolitik und Wohnungspolitik unabhängig voneinander betrachten. Begreift man den Bodenmarkt hingegen als einen dem Wohnungsmarkt vorgelagerten Markt, wird der Handlungsbedarf deutlich: Wir brauchen mobilisierbare Grundstücke, die dem Markt auch tatsächlich als Bauboden zur Verfügung stehen! Wenn diese nicht vorhanden beziehungsweise stark verknappt sind, kommen ökonomische Wirkungen ins Spiel. In der Folge steigen die Preise und es kommt zur Grundstücksspekulation. 
 
AB: Diese Frage würde ich mit Ihnen gerne in verschiedenen Maßstäben diskutieren – global, auf europäischer Ebene und vor allem in Bezug auf Deutschland –, um herauszufinden, wie ein optimales Vorgehen aussehen könnte. Beginnen wir mit Raquel Rolnik, der ehemaligen UN Sonderbeauftragten für adäquates Wohnen als Grundrecht.1 Sie kommt in ihrem Befund sehr schnell zu den Themen Boden- und Eigentumspolitik.
 
ED: Boden und Grundstücke sind eine Grundvoraussetzung für Wohnraum, dessen Schaffung ein universelles Ziel darstellt. Überall auf der Welt gilt: Wir brauchen Zugang zum Boden. Dabei stellt sich die Frage, ob Grundstücke verfügbar sind und wer die Verfügungsrechte hält, wie also Eigentum und dessen Verteilung organisiert sind. Die Eigentumsverfassung ist ein ganz entscheidender Grund, aber auch Ausdruck für das geltende Verständnis von Boden­politik in unterschiedlichen Gesellschaften. Wenn wir über Grundstücke und deren Verfügbarkeit sprechen, geht es letztlich auch um Fragen der Macht. Wer steuert und verteilt Grund und Boden?
SSS Siedle Dornbracht Euroboden
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